Gudrun Pausewang – Die letzten Kinder von Schewenborn (1983)

egInhalt

Hessen während des Kalten Krieges: Als Robert und seine Familie auf dem Weg von Frankfurt nach Schewenborn sind, werden sie Zeuge einer großen Explosion, die vermutlich durch eine Atombombe verursacht wurde. Alle Dörfer und Städte sind zerstört, viele Menschen sterben und die, die überleben, rafft früher oder später die Strahlenkrankheit, eine Seuche oder der Hunger hinweg. In dieser auswegslosen Situation versucht die Familie, ein bisschen Normalität in den Alltag zu bringen.

Schnellwertung

3,5/5

Hintergrund

Im Nachwort verrät Pausewang, dass Schlitz bei Fulda als Vorbild für Schewenborn fungierte.

Pressestimmen

Judith Liere, Spiegel Online: „Pausewangs Werke sind Horrorklopper ohne Trost und Happy End, dafür mit reichlich expliziten Schreckensszenen. Dennoch – oder gerade deshalb – wurden sie in vielen Schulen zur Pflichtlektüre. Denn sie versetzten die Schüler zwar in Angst und Schrecken, aber immerhin im Dienste der vermeintlich richtigen Sache.“
Christa Melchinger, FAZ: „Das ist aber auch die Grenze dieses Buches: es bezieht seine Wirkung allein aus .dem Grauen seiner Bilder. Die Menschen, Opfer dieser Katastrophe, bleiben blaß, bleiben Demonstrationsobjekte. Gudrun Pausewang ist eine engagierte Schriftstellerin, sie stellt ihr beachtliches Erzähltalent in den Dienst der guten Sache. Aber nicht immer wird ein Buch mit der besten Absicht auch das beste Buch des Autors. Eindringlich sei davor gewarnt, Kinder mit diesem Buch allein zu lassen.

Frankfurt

Frankfurt ist nach der Explosion dem Erdboden gleichgemacht.

„Er berichtete, daß Frankfurt weg sei – einfach ganz und gar weg. Praunheim auch. Das ganze Rhein-Main-Gebiet bis hinunter nach Darmstadt und hinüber nach Mainz sei eine einzige Aschewüste.“
„Wenn Sie einem Frankfurter begegnen wollte, müßten Sie einem Toten begegnen.“

Bonames
„Daß wir dieses Mal weder Frau Kellermann noch unseren Wellensittich noch unseren Pudel noch unsere Wohnung, ja nicht einmal unser Frankfurter Stadtviertel Bonames wiedersehen würden, ahnte keiner von uns.“
„‚In Bonames wird sicher schon wieder einigermaßen Ordnung herrschen. In so einer dichtbesiedelten Gegend wie dem Rhein-Main-Gebiet muß man Ordnung in das Chaos bringen können.'“
„Er fand die Abfahrt nach Boname, wir wanderten sie entlang. Bonames hatte neben der Autobahn gelegen, die Hochhäuser hatten wir immer schon von weitem sehen können. Wir verließen die Fahrbahn und tappten querfeldein. […] Man konnte bis weit in den Taunus, in den Vogelsberg, ja bis zu den ersten Hügeln des Odenwalds sehen. Als wir vor ein paar kleinen Erhebungen ankamen, blieb der Vater stehen, schob den Schnee mit dem Fuß weg und brachte Schutt zum Vorschein. ‚Wir sind in Bonames‘, sagte er.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s