Moseleck

Sobald die Temperaturen es erlaubten, saß der dicke Mann vor dem Moseleck auf einer der Holzbänke, die am Bürgersteig festgeschraubt waren. Den Tisch vor ihm schmückte niemals mehr als ein Glas und eine Flasche Jim Beam, deren Füllstand je nach Uhrzeit variierte. Der dicke Mann hatte dunkles, leicht gelocktes Haar und war von unbestimmbarem Alter. Da ich direkt neben der Kneipe wohnte, lief ich oft an ihm vorbei. Mit der Zeit nickten wir uns freundlich zu. Wenn es schon etwas später und die Flasche entsprechend leerer war, bekam der dicke Mann glasige Augen, aber er verhielt sich immer höflich und versäumte nie, meine Anwesenheit mit einem Kopfnicken zu würdigen.

Beinahe jeden Tag saß er mit seiner Flasche Whiskey vor dem Moseleck und schaute sich gemütlich die Passanten an. Inzwischen grüßten wir uns mit einem distanzierten, aber dennoch wohlwollend gemeinten „Gude“, wenn ich vorbeikam. Einmal lud er mich dazu ein, mich auf ein Glas Jim Beam zu ihm zu setzen. Obwohl er es harmlos meinte, lehnte ich ab.

Bis es zu kalt wurde, um draußen zu sitzen, sagten wir uns weiterhin jeden Tag Hallo und manchmal tauschten wir sogar einen Satz über das momentane Wetter aus.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s