Bodo Kirchhoff – Schundroman (2002)

20150926_113354Inhalt

Willem Hold, Auftragskiller mit Herz, kehrt nach Frankfurt zurück, um dort einen Millionär zu erschießen. Noch im Flieger lernt er die Edelprostituierte Lou kennen und lieben, die kürzlich einen verschollen geglaubten Picasso „erbte“.
In Frankfurt heften sich Willem zwei Privatdetektive an die Fersen, die auf der Suche nach dem Picasso-Gemälde sind und nebenbei auch herausfinden wollen, wer den Literaturkritiker Freytag auf dem Gewissen hat.

Schnellwertung

2/5
Mit viel „Goodwill“ gibt es noch zwei Punkte. Ob gewollt, da Satire, oder nicht: Die Figuren sind unglaubwürdig, vor allem die Frauen werfen sich den Männern regelrecht an den Hals, die Handlung ist konstruiert und die Sprache schlichtweg plump. Krimi-Fans könnte es trotzdem gefallen.

Frankfurt-Faktor

Hoch. Bis auf den Showdown am Gardasee spielen alle Szenen in Frankfurt, hauptsächlich in Sachsenhausen, aber auch im Ostend, Nordend, Westend und Bahnhofsviertel.

Hintergrund

Die Veröffentlichung wurde vorgezogen, damit „Schundroman“ nicht zeitgleich mit Martin Walsers „Tod eines Kritikers“ erscheinen würde – in beiden Romanen stirbt Marcel Reich-Ranicki.

Pressestimmen

Andreas Platthaus, FAZ: „Denn auch das Spiel mit den Klischees der Pulp-Literatur gelingt. Da sind der abgehalfterte Detektiv und die Femme fatale, die tausend Unwahrscheinlichkeiten eines Geschehens, das immer wieder die sechs Hauptpersonen aufeinandertreffen lässt, da gibt es Sex und Crime, bisweilen gar große Gefühle und von Kapitel zu Kapitel atemlos wechselnde Erzählstränge. […] „Schundroman“ aber kann man auch ganz anders lesen: als Liebeserklärung an Kirchhoffs Heimatstadt Frankfurt, als bewusst schäbigen Gegenentwurf zu Martin Mosebachs „Westend“-Roman.“
Deutschlandfunk: „Man mag über Kirchhoffs spürbar schnell geschriebenen, gelegentlich sogar selbstironischen Roman den Kopf schütteln oder Lachanfälle bekommen, man mag das Buch für maßlos übertrieben halten, konstruiert, für eine Verballhomung des Lesers, aber im Kontext der durchaus legitimen literarischen Abteilung „Trash“ avanciert der „Schundroman“ zum Kultbuch.“
Kolja Mensing, taz: „Die Bemühungen ums Genre werden von Seite zu Seite halbherziger. Kirchhoff hat sich bei seinen Recherchen nicht an wirkliche pulp fiction gehalten, sondern unter anderem an den gleichnamigen Film Quentin Tarantinos, der ja selbst weniger Genre als Spiel mit Genre ist. […] Kirchhoffs Schriftsteller und auch seine übrigen Betriebsaktivisten sind selbstverliebt, erfolgsgeil und sexversessen

Frankfurt

Frankfurt: „Wir haben Buchmesse: Da wird aus Frankfurt, einmal im Jahr, eine echte Stadt!“

Flughafen: „Der Frankfurter Flughafen, früher Rhein-Main, heute Fraport, ist neben den Hochhäusern und der jährlichen Buchmesse sicher das Imposanteste, das diese Stadt zu bieten hat […].“

Ostend: „Das Frankfurter Ostend war schon immer eine elende Gegend und ist es auch heute noch und wird auch in Zukunft immer eine elende Gegend sein, egal, wie viele Bars mit buntem Zeug und Galerien mit wirrem Kram in irgendwelchen Fabriketagen rund um das neue Europa-Bank-Sperrgebiet aufmachten, ein Gebäude wie der Ostbahnhof genügte, um die ganze Gegend und ihre Bewohner niederzuhalten, vielleicht nicht die Zugezogenen, die ja im Grunde nur Durchreisende waren, aber das Stammpublikum […]. Nur ein Krieg mit noch verheerenderen Bomben als der letzte könnte die alten Narben ausradieren […].“

City: „Er bog in die Allerheiligenstraße und ging bis zum trostlosen Ende der Zeil, um sie dann hinunterzulaufen, diese Plundermeile, auf der es zuging wie in Manila, überall Straßenhändler und Bettler […].“

_SC06189

Rüger, Dreieichstraße

Antiquariat Rüger: „Und von Rüger, erfreut, sie zu sehen, kam auf die Frage nach den großen Skandalbüchern der letzten Jahrzehnte […] nur ein mattes Lächeln; bewandert und sortiert wie kein zweiter, war er gleich mit fünf Erstausgaben gekommen […], signiert, wie alles bei Rüger.“

Kulinarisches: „[…] denn keiner, der etwas anderes kennt, rührt ein Binding-Bier an; er konnte sich damit bloß die Hände waschen, weil es Seife enthielt […].“

Außerdem: Hauptwache, Roßmarkt, Kaiserplatz, Morgensternstraße, Opernplatz, Goehestraße, Neue Mainzer Straße, Schauspiel, Kaiserstraße, Willy-Brandt-Platz, Brauchbachstraße, Harmonie-Kino, Frankfurter Hof, Zobelstraße, Eiserner Steg, Glauburgstraße, Café Schwille (früher Fressgass‘), Orion-Bar (heute Bar Oppenheimer), Schweizer Straße, Oppenheimer Straße, Schifferstraße, Museumspark, Bettinastraße, Raunheim, Offenbach, Gartenstraße, Städel, Alte Brücke, Holbeinsteg, Hauptbahnhof, Hanau, Groß-Gerau, Elbestraße, Danneckerstraße, Lesecafé, Galerie Rothe (geschlossen), Metzlerstraße, Restaurant Emma, Oederweg, Zoo

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s