Mirjam Pressler – „Grüße und Küsse an alle“ (2009)

Inhalt

Weniger Roman und mehr Monographie: Zusammen mit Buddy Elias, dem Cousin von Anne Frank, stellte Mirjam Pressler aus unzähligen Briefen und anderen Dokumenten die Geschichte der Familie Frank zusammen, die bis Anfang der 1930er in ihrer Heimatstadt Frankfurt lebte. Neben der persönlichen Geschichte der Franks rekonstruiert die Autorin auch die Geschichte der Juden in Deutschland und insbesondere in Frankfurt.

Schnellwertung

4/5
Das Buch ist wie ein Roman verfasst, informativ und spannend geschrieben. Lediglich der Frankfurt-Anteil fällt gering aus,  obwohl „Grüße und Küsse an alle“ das „Frankfurt liest ein Buch“ 2015 war.

Hintergrund

„Frankfurt liest ein Buch“ 2015

Pressestimmen

Hans Riebsamen, FAZ: „Mirjam Pressler, die sich kürzlich mit einer neuen Übersetzung von Annes Tagebuch Verdienste erwarb, hat jetzt die Geschichte der Familie von Anne Frank in einer Art dokumentarischem Roman niedergeschrieben. Ihr anrührendes Werk „Grüße und Küsse an alle“ ist zur Buchmesse beim Verlag Fischer erschienen.“
Micha Brumlik, ZEIT: „Mirjam Presslers Buch wirft nicht nur ein neues Licht auf die anrührende Gestalt von Anne Frank, deren Hintergrund es ausleuchtet, sondern es stellt zugleich einen narrativ-anschaulichen Beitrag zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des deutschen Judentums dar.“

Frankfurt

Judengasse
„Und dann beschrieb er die Gasse, die nur dreihundertfünfzig Meter lang war, von Mauern umgeben und so schmal, dass noch nicht einaml ein Fuhrwerk in ihr wenden konnte. Nur nördlich von der Mitte,  vor der Synagoge, war sie etwas breiter, aber selbst da nicht breit genug, damit Licht, Luft und Sonne hereindringen konnten.

Wohnorte der Franks
„Die Familie Frank hatte zuerst in der Leerbachstraße gewohnt und war mit der Geburt des zweiten Sohns in den nahen Gärtnerweg umgezogen. 1901 kaufte Michael Frank das Haus in der Jordanstraße 4, nicht weit vom Palmengarten.“Nach der Hochzeitsreise, die sie wieder nach San Remo führte, zogen Edith und Otto zu Alice, in das Haus in der Mertonstraße 4, wo bereits Leni und Erich wohnten. […] 1927 zogen Otto und Edith mit Margot in eine Doppelhaushälfte im Marbachweg 307.
„1931 kündigte der antisemitische Hauseigentümer Otto Frank die Wohnung am Marbachweg, die Franks zogen nun in die Ganghoferstraße, in eine Wohnung, die kleiner und billiger war.“

Nationalsozialismus
„Ende April 1929 waren in Frankfurt die beiden Reichsbannermitglieder Heinrich Koch und Heinrich Schmidt, einundzwanzig und siebzehn Jahre alt, von Nationalsozialisten ermordet worden, die ersten Toten des nationalsozialistischen Straßenterrors.“
„[…] am 1. April [1933] besetzten SA-Kommandos die Eingänge von jüdischen Warenhäusern und Geschäften und versperrten die Zugänge zu Rechtsanwaltskanzleien und Arztpraxen von jüdischen Bürgern.“

Außerdem: Dantestraße, Hochstraße, Im Trutz