Orhan Pamuk – Schnee (2002)

Inhalt

Ka, Journalist bei der Frankfurter Rundschau, soll über eine mysteriöse Selbstmordserie in seiner alten Heimat berichten. Angekommen in Kars in der Türkei trennt das Dorf ein Schneesturm vom Rest der Welt – als ein Militärputsch stattfindet ist Ka auf sich alleine gestellt.

Schnellwertung

3/5 Punkte

Pressestimmen

Hilal Sezgin, ZEIT: „Und das ist vermutlich das Bedrückendste an Schnee, wiederum als politischer Roman gelesen: zu sehen, wie gut die kafkaeske Stimmung zur Situation der Türkei und wie gut das Motiv Paranoia zu diesem ewigen Kampf zwischen Zivilgesellschaft, Militär, kemalistischem und religiösem Übereifer passt.“

Hintergrund

Übersetzt von Christoph K. Neumann

Frankfurt

Der Großteil des Romans spielt in der Türkei, aber einige Szenen sind auch in Frankfurt angesiedelt, wo der Protagonist Ka zuvor lebte. Der Ich-Erzähler, der Kas Geschichte rekonstruiert, begibt sich auf Spurensuche nach Frankfurt.

Die Stadt
„Ich war vormittags aus Istanbul gekommen, und Frankfurt kam mir noch abstoßender vor, als es auf den Postkarten ausgesehen hatte, die Ka mir seit sechzehn Jahren geschickt hatte. Die Straßen waren leer bis auf schnell vorbeifahrende Autos in dunklen Farben, Straßenbahnen, die wie ein Gespenst auftauchten und wieder verschwanden, und eilige Hausfrauen mit Schirmen in der Hand. Der Himmel war so bedeckt und dunkel, daß schon zur Mittagszeit das tote gelbe Licht der Straßenlaternen angezündet worden war.“

Bahnhofsviertel
„In der Nacht kehrte ich mit dem gleichen Zug wie Ka aus Hamburg nach Frankfurt zurück. Ich verließ den Bahnhof, ging wie er die Kaiserstraße entlang und hielt mich bei den Sexhops auf.“
„Es hatte mich gefreut, trotzdem auf den Bürgersteigen in der Umgebung des nahe gelegenen Hauptbahnhofs, wo sich Döner-Buden, Reisebüros, Eisdieen und Sexshops befanden, Spuren jener unsterblichen Energie zu finden, die große Städte auf den Beinen hält.“
„Zunächst gingen wir an den hundert Jahre alten Fassaden von Fabrikgebäuden und ehemaligen Kasernen entlang in das Gebäude nahe der Gutleutstraße, in dem Ka die letzten acht Jahre gelebt hatte. […] Während wir im Schneeregen darauf warteten, daß die Tür, deren Farbe abblätterte, geöffnet wurde, schaute ich, als seien esmeine eigenen Erinnerungen, auf den kleinen vernachlässigten Spielplatz, den Kramsladen an der Ecke und das dunkle Schaufenster des Ladens weiter vorne, der Zeitschriften und Alkoholika verkaufte […].““[…] betraten wir das Bahnhofsgebäude und gingen durch die Geschäftspassage im Untergrund, dann vorbei an den Sexshops in der Kaiserstraße, den Souvenirläden, Konditoreien und Apotheken, folgten den Straßenbahngleisen und kamen zur Hauptwache.“
„Irgendwo mitten auf der Kaiserstraße, vor einem Laden mit dem unsinnigen Namen ‚World Sex Center‘, bogen wir nach links ab und liefen die Straße entlang.“
„Der freundliche Kellner im Kebab-Haus Bayram hatte mit demselben schmutzigen Lappen, den er auch jetzt in der Hand hielt, in der Tatnacht die Resopaltische abgewischt […].“